Therapieverfahren
Anlässe zur Vorstellung bei einem Psychotherapeuten können sein:
- Ängste (wie bspw. Ängste vor sozialen Kontakten, Schulangst, Angst vor dem Einschlafen)
- Gefühle von anhaltender Traurigkeit und Depression
- Selbstverletzendes Verhalten
- Gedanken daran, sich das Leben zu nehmen und suizidales Verhalten
- Persönlichkeitsstörungen (wie z.B. Borderline)
- sozialer Rückzug
- Psychogene Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie
- Schlafstörungen und Alpträume
- Konzentrations-, Lern- und Arbeitsstörungen
- Kontakt- und Beziehungsstörungen
- Körperliche Beschwerden ohne medizinischen Befund (bspw. unklare Kopf- oder Bauchschmerzen)
- Zwänge (wie bspw. sich wiederholende und quälende Gedanken oder Handlungen) und Tics
- Einnässen und Einkoten
- Auffälliges aggressives Verhalten
- Unruhe und Unaufmerksamkeit (wie bspw. bei ADS/ADHS)
Psychoanalyse
Die Psychoanalyse basiert auf einem Konzept von Sigmund Freud. Sie basiert auf der Annahme, dass viele psychische Probleme auf unbewussten Konflikten und Dynamiken beruhen, die bereits früh in der Kindheit entstehen können und im Laufe des Lebens fortbestehen können. Das Unbewusste bezieht sich auf einen Teil der Psyche, der nicht bewusst zugänglich oder kontrollierbar ist. Es enthält Gedanken, Wünsche, Emotionen, Erinnerungen und Impulse, die dem bewussten Verstand nicht direkt zugänglich sind, aber dennoch das Verhalten, die Gefühle und die Persönlichkeit einer Person beeinflussen können. Freud postulierte, dass das Unbewusste durch verborgene Motive und Konflikte geprägt ist, die oft in der Kindheit entstanden sind und das Verhalten und die psychischen Probleme im Erwachsenenalter beeinflussen können. In der psychoanalytischen Therapie wird versucht, diese verborgenen Inhalte des Unbewussten ans Licht zu bringen, um ein tieferes Verständnis für das psychische Wohlbefinden des Patienten zu erlangen und damit verbundene Probleme anzugehen.Durch den Einsatz von Methoden wie freier Assoziation, Traumdeutung und der Untersuchung von sogenannten "Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen" versucht der Therapeut, dem Patienten zu helfen, verborgene Gedanken, Emotionen und Erinnerungen zu erkennen und zu verstehen.
Insbesondere bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen konzentriert sich die psychoanalytische Therapie darauf, das Kind dabei zu unterstützen, seine inneren Konflikte und Emotionen durch spielerische Aktivitäten, Rollenspiele und kreative Ausdrucksformen zu erkunden und zu verarbeiten und um dem jeweiligen Entwicklungstand und der Kommunikationspräferenz gerecht zu werden. Durch diesen Prozess können Kinder und Jugendliche ein tieferes Verständnis für sich selbst entwickeln und ihre psychischen Schwierigkeiten besser bewältigen.
Tiefenpsychologsich fundierte Psychotherapie
Ebenso wie die Psychoanalyse geht die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie davon aus, dass unbewusste seelische Probleme und innere Konflikte zu Krankheitssymptomen führen, also zu dem, was nach Außen hin sichtbar ist (Zwänge, sozialer Rückzug, Selbstverletzungen etc.). Im sicheren Rahmen der Psychotherapie sollen diese Probleme erkannt, bewusst gemacht und bearbeitet werden. Anders als bei der Psychoanalyse wird das Vorgehen im Rahmen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie jedoch etwas stärker auf einen aktuellen begrenzten Problembereich fokussiert.
Transference Focussed Psychotherapy (TFP)
Die Transference Focussed Psychotherapy (TFP - zu deutsch: Übertragungsfokussierte Psychotherapie) nach Otto Kernberg ist eine psychodynamische Therapieform, die sich auf die Arbeit mit Persönlichkeits(entwicklungs)störungen (wie bspw. der Borderline-Störung) konzentriert. Kernberg betont dabei die Bedeutung von inneren Vorstellungen, wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren, und wie sich diese Vorstellungen auf die Entwicklung von psychischen Schwierigkeiten auswirken. Die Methode der TFP zielt darauf ab, die daraus resultierenden Probleme in der Persönlichkeit zu erkennen und zu bearbeiten, um somit die Selbstwahrnehmung zu verbessern und die Fähigkeit zur Affektdifferenzierung zu stärken.
Ein zentrales Element der TFP ist die Analyse der verinnerlichten Vorstellungen von Beziehungen, bei denen früh erlernte, aber wenig hilfreiche Muster identifiziert und im therapeutischen Prozess reflektiert werden. Durch die Arbeit an diesen Vorstellungen sollen destruktive Verhaltensweisen und Beziehungsmuster verändert werden.
Die Therapie basiert auf der Annahme, dass Menschen mit Persönlichkeitsstörungen Schwierigkeiten haben, Ambivalenz in ihren Beziehungen zu tolerieren. Die TFP fördert die Entwicklung von Affekttoleranz und die Fähigkeit zur Integration widersprüchlicher Gefühle. Der Therapeut übernimmt dabei eine aktive Rolle, indem er die Phänomene nutzt, die sich auch in der Therapie zeigen, um ein besseres Verständnis und Veränderungen zu ermöglichen.
Insgesamt zielt die TFP darauf ab, die Persönlichkeitsstruktur zu stabilisieren und die Fähigkeit zur Herstellung und Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen zu verbessern, um langfristige positive Veränderungen im Erleben und Verhalten der Patienten zu erreichen.
Persönlichkeitsentwicklungsstörungen
Eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung ist eine langfristige und tiefgreifende Beeinträchtigung in der Art und Weise, wie eine Person denkt, fühlt, sich selbst wahrnimmt und mit anderen interagiert. Diese Störungen manifestieren sich in verschiedenen Lebensbereichen und führen oft zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, Arbeitsleistung und persönlichem Wohlbefinden.
Zu den häufigsten Symptomen von Persönlichkeitsentwicklungsstörungen gehören:
1. Störungen im Selbstbild und der Identität: Betroffene können Schwierigkeiten haben, ein stabiles Selbstkonzept zu entwickeln. Sie können sich unsicher fühlen, wer sie sind, und haben möglicherweise ein verzerrtes oder instabiles Selbstbild.
2. Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen: Menschen mit Persönlichkeitsentwicklungsstörungen haben oft Schwierigkeiten, stabile und befriedigende Beziehungen aufrechtzuerhalten. Sie können Probleme mit Nähe und Distanz haben, Verlassenheitsängste oder intensive und instabile Beziehungen erleben.
3. Emotionale Instabilität: Unvorhersehbare und intensive emotionale Reaktionen sind typisch für Persönlichkeitsentwicklungsstörungen. Betroffene können schnell zwischen extremen Gefühlen wie Wut, Angst, Traurigkeit und Euphorie wechseln. Diese Emotionen können schwer zu kontrollieren sein und zu impulsivem Verhalten führen.
4. Probleme mit Impulskontrolle: Menschen mit Persönlichkeitsentwicklungsstörungen neigen dazu, impulsiv zu handeln, ohne die Konsequenzen ihres Verhaltens zu berücksichtigen. Dies kann sich in riskantem Verhalten wie Drogenmissbrauch, ungesundem Sexualverhalten, Essstörungen oder Selbstverletzung äußern.
5. Schwierigkeiten mit dem Umgang mit Stress: Betroffene können Schwierigkeiten haben, mit stressigen Situationen umzugehen und angemessene Bewältigungsmechanismen zu entwickeln. Sie können übermäßig empfindlich auf Ablehnung oder Kritik reagieren und Schwierigkeiten haben, sich von belastenden Ereignissen zu erholen.
Diese Symptome können je nach Art der Persönlichkeitsentwicklungsstörung variieren und können sich im Laufe der Zeit verändern. Es ist wichtig zu beachten, dass Persönlichkeitsentwicklungsstörungen oft schwerwiegende Auswirkungen auf das tägliche Leben und das psychische Wohlbefinden haben können und eine professionelle Behandlung erfordern.